Kennarten artenreiches Grünland

Mit der neuen EU-Förderperiode gewinnt die Biodiversität an Bedeutung. Die ab 2023 beschlossenen Förderungen des Bundes (sog. Ökoregelungen) sehen vor, speziell die Artenvielfalt von Grünland zu honorieren. Sofern aus einer gegebenen Liste mindestens vier unterschiedliche Pflanzenarten auf einem Feldstück gefunden werden, winken bis zu 240 € je ha. Dies soll künftig, anders als beim bisherigen Kulap B40-Programm, auch für Alpweiden gelten. Wer nächstes Jahr für seine Alpe diese attraktive Förderung beanspruchen will, muss aber heuer schon schauen, was auf seinen Flächen wächst!

 

 

Entwurf Kennartenliste 2023
Die Liste ist nach aktuellem Stand. Eventuelle Änderung sind noch möglich.
Erfassungsbogen 2023_Farbschema_Transekt[...]
PDF-Dokument [225.4 KB]

 

Bestimmungshilfe der LfL, von 2020, noch nicht aktualisiert

 

 

Voraussetzungen und Höhe der Förderung

Honoriert wird die extensive Bewirtschaftung von Dauergrünlandflächen durch Nachweis von mindestens vier für das jeweilige Bundesland definierte Kennarten. Diese „ergebnisorientierte“ Art der Förderung macht, entgegen anderen Agrarumweltmaßnahmen, keine Bewirtschaftungsvorgaben, wie Düngeverzicht oder Schnitttermine. Allein das Ergebnis zählt. Auf der Fläche müssen nur eben diese Kennarten sicher nachgewiesen werden, um die Förderung zu erhalten.

 

Für das Vorkommen von mindestens vier Pflanzenarten aus der Kennarten-Liste nach untenstehendem Erfassungsbogen erhält der Antragsteller

  • 240 €/ha in den Jahren 2023 und 2024
  • 225 €/ha im Jahr 2025
  • 210 €/ha im Jahr 2026

Die Förderung ist also eher leicht rückläufig in den nächsten Jahren, damit kann es sich lohnen, bereits bei der ersten Antragstellung genau über seine Flächen Bescheid zu wissen.

 

Welche Kennarten?

Seitens der LfL wurde eine Kennartenliste veröffentlich, die im Internet unter Artenreiches Grünland - Ergebnisorientierte Grünlandnutzung - LfL (bayern.de) abgerufen werden kann. Sie umfasst derzeit 34 Kennarten, wird aber ab 2023 auf 37 Kennarten erweitert. Die Kennarten dienen als Indikatoren für die Artenvielfalt. Es sind Pflanzenarten, die vor allem in artenreichem Grünland vorkommen bzw. Zeiger für naturschutzfachlich wertvolle Pflanzengesellschaften sind. Als „Kennarten“ sollen sie nicht zu selten und auch während der Blütezeit auffällig und leicht erkennbar sein, so dass auch ein Laie die in der Fläche vorkommenden Arten in einem farbigen Katalog finden kann.

 

Welche Kennarten sind insbesondere im Alpgebiet zu erwarten?

Aufgrund der bayernweiten Gültigkeit finden sich in der Kennartenliste viele Pflanzen, die eher im Flachland vorkommen. Dennoch sollten z.B. folgende Arten auch im Alpgebiet häufiger anzutreffen sein:

  • Artengruppe gelblühende Schmetterlingsblütler (Hornklee, Wundklee, Sichelklee, Gelbklee u.a.)
  • Gelb blühende Korbblütler nur mit Zungenblüten ohne Wiesen-Löwenzahn (Pippau-Arten, Herbstlöwenzahn, Rauher Löwenzahn, Habichtskraut, Ferkelkraut u.a., orangerotes Habichtskraut, Goldpippau)
  • Blutwurz
  • Frauenmantel
  • Flockenblume
  • Glockenblumen
  • Schafgarbe
  • Skabiosen, Witwenblume
  • Thymian
  • Zittergras
  • u.a....

 

Wie werden die Kennarten erfasst?

Die Erfassung der Kennarten erfolgte bisher durch den Bewirtschafter entlang der längstmöglichen Geraden durch den Schlag (vgl. Abbildungen), dies ist z.B. bei rechteckigen Flächen eine der beiden Diagonalen. Da der Randbereich eines Schlages häufig nicht sehr typisch für die Pflanzenzusammensetzung der gesamten Fläche ist, geht man zuerst circa fünf Meter in die Fläche hinein. Die Erfassungslinie wird nach Augenmaß in zwei gleich lange Abschnitte unterteilt und die Kennarten für beide Abschnitte getrennt erfasst (vgl. Formular S. 27). Beim Durchqueren der Fläche sollte man alle Arten der Kennartenliste, die in einem etwa 2 m breiten Streifen entlang der Geraden (Bereich der seitwärts ausgestreckten Arme) vorkommen, vermerken, eventuell mehrmals stehen bleiben. Eine jährliche Erfassung wird empfohlen, um gegebenenfalls die Nutzung modifizieren zu können.

Kommen von einer Art nur ganz vereinzelte Exemplare an einer Stelle der Fläche vor, sollte diese nicht in die Bewertung mit einfließen, da das Risiko besteht, dass die Art nicht wiedergefunden wird.

Um besonders bei großen Flächen eine Orientierung zu haben und um gerade über die Fläche zu gehen, kann es nützlich sein, am Rande der Fläche Anfang und Ende der Geraden mit einem Stab zu markieren und darauf zuzugehen.

 

 

Wie wird kontrolliert?

Aktuell wird die Aufnahmemethode noch zwischen Bayern und dem Bund abgestimmt. Da die Methodik für die erste Säule bundesweit möglichst einheitlich sein soll, ist das recht aufwendig. Derzeit stehen nur die Lfl-Information „Artenreiches Grünland“ von 2020 zur Verfügung (Internet: www.lfl.bayern.de). Die Überarbeitung soll schnellstens kommen, es ist momentan jedoch schwer einzuschätzen, wann dies der Fall sein wird. Doch bis dahin kann die Alpsaison schon vorbei sein. Vorerst kann man vermuten, dass sich das Prüfschema jedoch gegenüber der bisherigen B40-Föderung im Kulap nicht wesentlich ändern wird. Eines aber ist sicher: das Risiko, wenn der Kontrolleur die Arten nicht vorfindet, trägt der Antragsteller. Deshalb empfiehlt es sich, genau die Anweisungen oben zu befolgen. Wir halten Sie über etwaige Änderungen auf dem Laufenden.

 

Was ist zu tun?

Um bereits nächstes Jahr in den Genuss der Prämie zu kommen, sollten Sie heuer schon wissen, ob eines oder mehrere ihrer Feldstücke die geforderten, mindestens 4 Kennarten aufweisen. Begehen Sie Ihre Weiden und kontrollieren Sie nach dem oben gezeigten Schema, ob die geforderten, mindestens (!) 4 Kennarten vorhanden sind. Tragen Sie die gefundenen Arten in der Kennartenliste für das jeweilige Feldstück ein. Machen Sie ggf. aussagekräftige, georeferenzierte Fotoaufnahmen am besten bevor das Vieh auf die Fläche kommt. Das gilt v.a. bei früh blühenden Kennarten, die bald wieder weg sind.

 

Schulungsangebot des AELF Kempten

Das AELF Kempten bietet eine Schulung zur Bestimmung der Kennarten in artenreichem Grünland an:

•             Dienstag, 05.07.2022, Uhrzeit: 14:00 bis 16:30 Uhr

•             Treffpunkt: Linsen, oberhalb von Niedersonthofen bei Waltenhofen

 

Anmeldung ausschließlich online unter www.weiterbildung.bayern.de „Zu den Angeboten in der Landwirtschaft“ Veranstalter: „AELF Kempten“ auswählen.

Ende der Anmeldefrist: 03.07.2022

Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten Sie nach der Ablauf der Anmeldefrist genaue Informationen zum Treffpunkt per E-Mail zugesendet. Sollten Sie Fragen zur Anmeldung haben oder über keinen Internetanschluss verfügen, können Sie sich an Frau Theresa Buhl wenden, Tel. 0831-52613-1239.