Alpauftrieb 2017

Informationen der Veterinärämter

 

Blauzungenkrankheit

Das Virus wird über blutsaugende Insekten, sog. Gnitzen, übertragen. Die Infektion verläuft beim Rind ohne deutliche Symptome. Eventuell  Aborte, Fruchtbarkeitsstörungen, Entzündungen und Schwellungen an Flotzmaul, Maulhöhle, Zunge, Nase, Auge sowie Entzündungen der Zitzenhaut. Die Krankheit kann ausheilen und die Tiere können eine belastbare Immunität ausbilden. Der Schaden für den Landwirt entsteht vor allem durch Handelsbeschränkungen, sprich Restriktionszonen, die eingerichtet werden, sobald die Krankheit auftritt. Dann dürfen nur noch geimpfte Tiere bzw. Kälber von geimpften Muttertieren aus der Restriktionszone heraus verkauft werden. Alle anderen Tiere dürfen den 150 km Radius nicht verlassen. Keine Übertragung direkt von Rind zu Rind.

Laut dem nationalen Referenzlabor besteht für Deutschland eine hohe Eintragswahrscheinlichkeit. Aktueller Stand:

  • Blauzunge Serotyp 4 ist während des Jahres 2016 400 km weiter nördlich gewandert. 2016 schon Fälle in Norditalien. Bayern tangiert die Restriktionszone (150 km-Radius), aktuell aber noch keine Restriktionen in Deutschland.
  • Blauzunge Serotyp 8 ist vor allem in Zentralfrankreich aktiv aber auch Fälle in Nordfrankreich. Baden-Württemberg liegt schon innerhalb des 150km-Radius. Derzeit werden in Deutschland keine Restriktionszonen ausgeschrieben solange keine Fälle in Deutschland auftreten.

Das Friedrich Löffler Institut (FLI) und die Veterinärverwaltungen des Alpenweideviehverkehrs empfehlen Tierhaltern zu impfen,  gegen beide Serotypen  4 und 8. Welcher der beiden Serotypen uns als erstes erreicht, ist nicht voraussagbar. Der Impfstoff ist nach der Bewertung des FLI gut verträglich, kann über den Tierarzt bestellt werden und ist  derzeit gut verfügbar. Die freiwillige Impfung beim Rind wird durch die Tierseuchenkasse mit 1,00 € pro durchgeführter Impfung. BTV-Impfungen beim Schaf hingegen werden nicht mehr bezuschusst. Im Alpenweideviehverkehr Bayern/Österreich bestehen für 2017 keine weiteren Anforderungen/Regelungen.

 

BHV1 (Bovine Herpesvirus Typ 1-Infektion, frühere Bezeichnung IBR):

Sowohl Bayern als auch Baden-Württemberg haben den Status als BHV-1 freie Region nach Artikel 10 der RL 64/432/EWG. Das Verbringen von Rindern in andere bereits BHV1-freie Regionen sowohl innerhalb Deutschlands als auch z. B. beim Alpenweideviehverkehr ist somit problemlos möglich. Allerdings müssen Kontrolluntersuchungen im Bestand  (Tankmilch oder Blut) regelmäßig durchgeführt werden. Daher sollte jeder Landwirt prüfen, wann die Untersuchung auf BHV 1 fällig ist und ggf. die Tiere noch untersuchen lassen, bevor er sie auf die Alp schickt, damit hier keine Fristüberschreitungen stattfinden. Alle Rinder, die nach Bayern oder Österreich verbracht werden, müssen aus Betrieben stammen, in denen die letzte serologische Untersuchung nicht älter als sechs Monate ist.

Im Ostallgäu werden die Betreiber von Alpen und Gemeinschaftsweiden durch das Veterinäramt über den Status der jeweiligen Beschicker informiert. Hierzu senden die Betreiber bis zum 13. April 2017 eine aktuelle Beschicker-Liste mit Angabe der Betriebsadressen zu.

Für Rinder nach Österreich genügt das amtstierärztliche Zeugnis für den Alpenweideverkehr Hinsichtlich der IBR/IPV (BHV1) wird die Vereinbarung im Jahr 2017 dahingehend geändert,  dass auf Weiden nur Rinder aufgetrieben werden dürfen, die aus Regionen stammen, in denen die zusätzlichen Garantien für infektiöse bovine Rhinotracheitis (BHV1) (Anhang II Entscheidung 2004/558/EG) gelten, oder die die ergänzenden Garantien gemäß Artikel 3 der Entscheidung 2004/558/EG erfüllen.

 

BVDV (Bovines Virusdiarrhoe Virus)

Rinder, die auf Gemeinschaftsweiden aufgetrieben werden, müssen in der HI-Tier-Datenbank den Status „BVDV-unverdächtig“ aufweisen. Dieser Status kann vom jeweiligen Tierhalter oder auch, in anonymisierter Form, von jedem  Betreiber einer Alpe oder Gemeinschaftsweide eingesehen und ausgedruckt werden. Ist in der Datenbank kein Status hinterlegt, dann muss der Landwirt einen negativen Untersuchungsbefund auf BVD-Virus Antigen für diese Tiere vorlegen. Anderenfalls darf das Rind weder mit anderer Alprindern transportiert noch gar mit solchen aufgetrieben werden!

Für die Sömmerung auf österreichischen Almen gilt das gleiche, auch hier müssen die Rinder auf BVD/MD-Virus mit negativem Ergebnis untersucht worden sein. Trächtige Tiere (voraussichtliche Kalbung während der Sömmerungsperiode) müssen zusätzlich nach dem 150. Trächtigkeitstag mit negativem Ergebnis auf BVD-Antikörper untersucht worden sein oder bereits vor der Belegung einen Antikörper-positiven Befund aufweisen.

 

Rauschbrand

Die Kosten der Rauschbrandimpfung werden bekanntlich seit 01.01.2015 nicht mehr von der Bayerischen Tierseuchenkasse übernommen.  Die Pflicht der Rauschbrandimpfung der Rinder  für sog. "Rauschbrandalpen" wurde zwischenzeitlich aufgehoben. Eine freiwillige Impfung gegen Rauschbrand durch den Hoftierarzt ist möglich, muss aber vom Tierhalter selbst beim Hoftierarzt in Auftrag gegeben und bezahlt werden. Zur Empfehlung einer Rauschbrandimpfung ist keine Aussage möglich, da eine mögliche Infektionsgefahr durch Rauschbrand auf "Rauschbrandalpen" durch die jahrelangen Pflichtimpfungen überdeckt wurde.

 

Tuberkulose des Rindes

Deutschland ist amtlich anerkannt tuberkulosefrei. Daher ist eine Untersuchung der Weiderinder auf Tuberkulose nicht generell vorgeschrieben. Es gibt im Jahr 2017 grundsätzlich keine Auftriebsuntersuchungen.

Dennoch sind nach Mitteilung des bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz die risikoorientierten Untersuchungen bei Rindern konsequent fortzuführen. Zur Sicherstellung der Erkennung Tbc-infizierter Tiere sind in jedem Landkreis solche Tiere zu untersuchen, für die ein erhöhtes Risiko des Kontakts mit dem Tuberkulose Erreger angenommen werden muss (so genannte Risiko Tiere). Im Landkreis Oberallgäu wurden die Rinderbeständen im Gemeindegebiet Oberstdorf bereits untersucht und für die übrigen Gemeindegebiete wird ein solches risikobasiertes Untersuchungskonzept derzeit vom Landratsamt erarbeitet.

Im Ostallgäu und in Baden-Württemberg finden Abtriebsuntersuchungen statt,  derzeit aktuell noch die Untersuchung der Rückkehr-Tiere aus 2016. Für den Auftrieb auf die Ostallgäuer Alpen 2017 ist ein negatives Untersuchungsergebnis erforderlich für Tiere, die im Jahr 2016 in Österreich oder im Gemeindebereich Oberstdorf gesömmert worden waren. Alle milchgebenden Rinder für Gemeinschaftsweiden oder Alpen, die Rohmilch und oder Rohmilcherzeugnisse abgeben, müssen vor dem Auftrieb mit negativem Ergebnis auf Tuberkulose untersucht sein.

 

Für den Alpenweideviehverkehr mit Österreich gilt die Regelung aus dem Jahr 2016 unverändert:  Danach dürfen Rinder aus Bayern oder Baden-Württemberg ohne Untersuchung aufgetrieben werden, wenn sie entweder aus amtlich anerkannt tuberkulosefreien Beständen oder aus amtlich anerkannt tuberkulosefreien Gebieten/Mitgliedstaaten stammen, was ja in der Regel der Fall ist. Allerdings sind Milchkühe (laktierende Rinder) auf Tuberkulose zu untersuchen, die auf Almen/Alpen oder Gemeinschaftsweiden im angrenzenden Nachbarstaat aufgetrieben werden. Hierbei werden die nach der Sömmerung durchgeführten Untersuchungen der gealpten Rinder für die folgende Sömmerung anerkannt.

 

Das Bayerische Rotwildmonitoring soll ebenfalls fortgeführt werden.

 

 

 

 

Amtstierärztliches Zeugnis für den Alpenweideviehverkehr
Raufutterfresser: Kühe, Rinder, Ziegen, Schafe
02_Zeugnis für Rinder, Schafe und Ziegen[...]
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Amtstierärztliches Zeugnis für den Alpenweideviehverkehr
Pferde
03_Zeugnis für Einhufer.pdf
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Amtstierärztliches Zeugnis für den Alpenweideviehverkehr
Schweine
04_Zeugnis für Schweine.pdf
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